Mittwoch, 12. September 2007

Singapur und sonst so

Morgen gehts los nach Singapur! Für 3 Tage übers Wochenende, Caro besuchen. Caro hat das gleiche Schicksal ereilt wie mich: duales Studium in einem ehemals großen, jetzt noch größeren Pharmaunternehmen mit viertsemestriger Entsendung ins ferne Ausland. Und da ja für den noch nicht so asienbewanderten Europäer die Länder hier allesamt nah beieinander liegen, hatte ich also schon vor Abfahrt beschlossen, einen Abstecher in den Stadtstaat zu machen. Mit 100€ bist du dabei, dachte ich. Denkste! Ein Blick auf den Globus verrät den Grund: es sammeln sich doch gute 4.500km zwischen den beiden Metropolen.
Aber der Plan steht. Also los und vom Firmenreisebüro nen günstiges Angebot eingeholt und in überschwenglicher Freude die Kreditkartendaten zur sofortigen Buchung dagelassen. Ein paar Tage später dann der Schock beim Blick aufs Ticket! 1.000.000 Won - 800€! Bitte was?! Das Angebot war auf weniger als die Hälfte gepreist. Nach wilder Telefoniererei und Sorgen über den Kontostand dann die Erlösung. Hinter dem Ticket hat sich ein kleiner unscheinbarer Wisch, der sich als Rechnungsdurchschlag entpuppte, versteckt. Nun kann es losgehen!
Einzig die Präsentation, die ich morgen früh vor versammelter Abteilung halten soll, will - hehe - noch vorbereitet werden. 9 Stunden to go! Aber direkt danach mach ich mich aus dem Staub und entschwinde Richtung Flughafen. :)

Und sonst so? Das Wochenende war mal wieder sehr ereignisreich! Am Donnerstag gab es ein Treffen der deutsch-asiatischen Praktikantenplattform KOPRA. Muss man nicht kennen, war trotzdem sehr lustig. Eine bunte Mischung aus praktizierenden Deutschen, Deutsch lernenden Koreanern, studierenden Deutsch-Koreanern und Alkohol.
Nachdem der Arbeitsfreitag dann fertig durchgehangen war, ging es mit Seb, Sarah, Johannes und 2 Amis auf in den Wochenendfreitag. Seb kommt aus Schweden, wurde in Kalifornien geboren, studiert in London und hat letzte Woche die Praktikantenzahl bei Bayer Korea um 100% erhöht. Irgendwann an diesem Abend sind wir dann in der "supersize & superalcoholize me"-Bar DoubleDouble gelandet, in der der Name wahrlich Programm ist. Spezialität des Hauses: ein 10-Liter-Pitcher. Keine weiteren Ausführungen an dieser Stelle. Für das Bildprotokoll sei noch erwähnt, dass Seb und ich beim Pfeilwerfen das Plüschherz und den Pandabären gewonnen haben...

    

Man mag es kaum glauben, aber Kultur gab es auch, und zwar am Sonnabend. Eine Kollegin hatte mich gefragt, ob ich sie nicht zur Hochzeit ihrer Freundin begleiten wollte. Typisch koreanisch und so. Ich war dabei! Die Trauung selbst fand in einer riesigen Kirche (30% der Südkoreaner sind bekennende Christen!) und - entgegen meiner Erwartung - ganz ich schwarz-weiß statt. Jedoch gab es schon einige Besonderheiten: es war ein ständiges Kommen und Gehen. Leute kamen rein, haben dem Pastor bei seinem scheinbar endlosen Monolog über die Liebe und die Ehe gelauscht, sind wieder entschwunden (zum Buffet wie sich im Nachhinein herausstellte). Dann ein ständiges Blitzgewitter von angeheuerten Fotografen, die wild zwischen dem Brautpaar umher sprangen - ohne Gnade! Nach dem Buffet, dass im Übrigen sehr schmackhaft war und europäisch anmutete, gab es dann doch noch Tradition. In einer eher kleinen Zeremonie, die ich durch eine offene Tür beobachten konnte, wurde die Braut schließlich in ganz traditionellem Gewand in die Familie des Mannes eingeführt. Ich kann mir nicht helfen, aber das hatte etwas von einer Übergabezeremonie. Dem Brautpaat gegenüber saßen die Eltern und Geschwister des Bräutigams, denen die Eingeheiratete nacheinander Tee servieren musste/durfte, wie auch immer. Das Ganze unter ständigem Verbeugen, welches eine nicht geringe Ähnlichkeit mit dem der Muslime auf dem Gebetsteppich hatte. Zum Schluss musste der Mann seine "Beute" noch einmal auf dem Rücken um den Tisch tragen, womit die Zeremonie dann auch offiziell beendet war. Die Angehörigen der Frau blieben komplett außen vor. Schöne Tradition...



Der Sonntag wurde dann ausschließlich dem Abbau des Schlafdefizites der vorhergehenden Woche gewidmet und nur durch die sehr sehens- und empfehlenswerte Nordkorea-Doku "A State of Mind" kurzzeitig unterbrochen.

Am Dienstag gab es dann eine Art BayerScheringPharma-Spendenball im Zuge des bevorstehenden Erntedankfestes (chusok). Ein wenig fraglich war für mich jedoch der Sinn der Aktion, gab es für die Spende in Form einer Eintrittskarte doch scheinbar nicht ganz billiges Essen und den ganzen Abend lang Freibier. Bei dem Konsum, den die Koreaner diebezüglich an den Tag legen, dürfte das ein Nullsummenspiel gewesen sein. :) (Was den Alkoholkonsum betrifft, müssen die Koreaner auf Platz 2 direkt nach den Russen kommen. Was die wegschütten geht auf keine Leber. Aber da gibt es ja jetzt ein neues Medikament von Bayer...)

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Mittwoch, 5. September 2007

Chris und Tine machen eine Reise - in Worten

Was lange währt wird gut. Sehr gut!
Aber dass der Reisebericht so gut wird, damit hätte ich ganz ehrlich nicht rechnen können! Ist schon erstaunlich wie die Emotionen rüberkommen und welch kleine Details er stellenweisefesthält. Außerdem ist er viel ausführlicher geworden, als ich mir je zu träumen gewagt hätte......Danke Tine!!! :D

Damit ihr keinen Augenkrebs vom Lesen am Bildschirm bekommt und die Wundsalbe für den Scrollfinger im Schrank lassen könnt, hab ich ihn in eine kleine Datei verpackt. Die könnt ihr dann ausdrucken und euch ganz entspannt zu Gemüte führen. Oder auch abheften und uns in 10 Jahren zum Geburtstag schenken!

Nun aber auf, auf zum bebilderten Bericht (PDF) Weiterlesen...

Montag, 3. September 2007

Und es ward Licht!

Da bin ich wieder! Und es gibt gute Neuigkeiten: ich hab's getan - ich bin umgezogen!
Warum? Nun, von meinem alten Zimmer hab ich ja bereits ausführlich berichtet. Folglich hat die kommunikationsmäßige Flaute in dem sogenannten Goshiwon und die tote Hose im 5min-Fußweg-Bequemlichkeitsradius um selbiges nun angefangen, leichte depressionsähnliche Gefühle in mir zu wecken. Hinzu kommt, dass die Straße vor meiner Luftluke gerade aufgerissen wird, was ja an sich kein Problem wäre, wenn die Bauarbeiter nicht erst um 9 Uhr anfangen würden zu arbeiten - abends! Also habe ich mein Schicksal selbst in die Hand genommen und bin kurzerhand von heut auf morgen (genauer: von gestern auf vorgestern) umgezogen!

Und zwar nach Sinchon - DEM Studentenviertel schlechthin. Durch einen Tip bin ich im Hasukviertel gelandet. Ein Hasuk ist eine Art private Pension, die von einer "Ajuma" (vergleichbar einer russischen "babushka") geführt und überwiegend von Studenten bewohnt wird. Im Monatspreis von rund 500$ sind Frühstück, Abendessen, DSL und Kabel-TV mit inbegriffen. Wobei es morgens und abends das Gleiche gibt. Zum Frühstück Reis, Fisch und Kimchi (in Chilisauce eingelegter Kohl) - lecker!! Da lob ich mir meine Coke zum Wachwerden:)
Nach nur einem Tag kenne ich auch mittlerweile fast die gesamte Belegschaft, die sich von einem Thai-Mädchen über einige Japaner hin zu ein paar - wer hätte es gedacht - Koreanern erstreckt; die meisten mit konversationstauglichem Englisch und - ja!, im Gegensatz zu ihren Vorgängern - alle mit sozialer Kompetenz ausgestattet. Heute gab es nämlich nach gemeinsamem Abendbrot bei den Japanern eine Vorstellungsrunde mit Donuts und Instantkaffee.
Das Hasuk selbst ist ein 6-stöckiges Gebäude mit der Gemeinschaftsküche im obersten Stock und meinem Zimmer im dritten. Und das Beste daran: mein NEUES FENSTER! Jetzt auch mit Ausblick!



Zwar brauch ich jetzt eine Dreiviertelstunde zur Arbeit, dafür komme ich jeden Morgen in den Genuss, in der U-Bahn noch ein bisschen schlafen zu können ohne dass ich Angst haben müsste umzufallen. Lediglich die 3 Ellenbogen in meinem Bauch stören ein wenig.
Aber das Viertel ist es auf jeden Fall wert. Ich brauche quasi nur aus meiner Haustür zu stolpern um in einer der unzähligen Bars und Restaurants zu landen. Erwähnt sei hier im Besonderen die Fantasybar, in der das Bier im 3-Liter-Pitcher mittels Trockeneis zum Dampfen gebracht wird und die anlässlich von Geburtstagen ein Blitzlichtgewitter auslöst bei dem jedem Epileptiker das Herz höher schlagen würde. Koreaner stehen auf sowas. Ich finds lustig! :D



Das auf dem Bild ist Johannes. Johannes kommt aus dem StudiVZ. Genau wie Sarah. Und Fabian. Allesamt sind sie Praktikanten in Seoul und zusammen haben wir das Wochenende ausgiebig zur Erkundung meiner neuen Heimat genutzt. Unzählige Pitcher (2- bis 3-Liter-Krüge) Bier und Kiwisoju haben wir unterwegs getroffen und sind eine intensive Beziehung mit ihnen eingegangen. Freitag abend war Klubnacht im Nachbarviertel. 15$, 15 Klubs, 1 Freigetränk pro Klub. Das einzige Problem dabei war die Eintönigkeit der Musikrichtungen - zur Auswahl standen HipHop, Hiphop oder Hip-Hop. Koreaner stehen auf HipHop. Oder zumindest denken sie es sei cool und spielen es überall. Aber nach dem Abgreifen der Freigetränke und Rush-Hour-Metro-Feeling in diversen Schuppen wurden wir doch noch fündig und mit feinster elektronischer Musik belohnt!



Kommt bald wieder - morgen gibt es hier unseren lang angekündigten Reisebericht - erster Teil!
Annyònghi kyeseo!


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