Singapur und sonst so
Morgen gehts los nach Singapur! Für 3 Tage übers Wochenende, Caro besuchen. Caro hat das gleiche Schicksal ereilt wie mich: duales Studium in einem ehemals großen, jetzt noch größeren Pharmaunternehmen mit viertsemestriger Entsendung ins ferne Ausland. Und da ja für den noch nicht so asienbewanderten Europäer die Länder hier allesamt nah beieinander liegen, hatte ich also schon vor Abfahrt beschlossen, einen Abstecher in den Stadtstaat zu machen. Mit 100€ bist du dabei, dachte ich. Denkste! Ein Blick auf den Globus verrät den Grund: es sammeln sich doch gute 4.500km zwischen den beiden Metropolen.
Aber der Plan steht. Also los und vom Firmenreisebüro nen günstiges Angebot eingeholt und in überschwenglicher Freude die Kreditkartendaten zur sofortigen Buchung dagelassen. Ein paar Tage später dann der Schock beim Blick aufs Ticket! 1.000.000 Won - 800€! Bitte was?! Das Angebot war auf weniger als die Hälfte gepreist. Nach wilder Telefoniererei und Sorgen über den Kontostand dann die Erlösung. Hinter dem Ticket hat sich ein kleiner unscheinbarer Wisch, der sich als Rechnungsdurchschlag entpuppte, versteckt. Nun kann es losgehen!
Einzig die Präsentation, die ich morgen früh vor versammelter Abteilung halten soll, will - hehe - noch vorbereitet werden. 9 Stunden to go! Aber direkt danach mach ich mich aus dem Staub und entschwinde Richtung Flughafen. :)
Und sonst so? Das Wochenende war mal wieder sehr ereignisreich! Am Donnerstag gab es ein Treffen der deutsch-asiatischen Praktikantenplattform KOPRA. Muss man nicht kennen, war trotzdem sehr lustig. Eine bunte Mischung aus praktizierenden Deutschen, Deutsch lernenden Koreanern, studierenden Deutsch-Koreanern und Alkohol.
Nachdem der Arbeitsfreitag dann fertig durchgehangen war, ging es mit Seb, Sarah, Johannes und 2 Amis auf in den Wochenendfreitag. Seb kommt aus Schweden, wurde in Kalifornien geboren, studiert in London und hat letzte Woche die Praktikantenzahl bei Bayer Korea um 100% erhöht. Irgendwann an diesem Abend sind wir dann in der "supersize & superalcoholize me"-Bar DoubleDouble gelandet, in der der Name wahrlich Programm ist. Spezialität des Hauses: ein 10-Liter-Pitcher. Keine weiteren Ausführungen an dieser Stelle. Für das Bildprotokoll sei noch erwähnt, dass Seb und ich beim Pfeilwerfen das Plüschherz und den Pandabären gewonnen haben...
Man mag es kaum glauben, aber Kultur gab es auch, und zwar am Sonnabend. Eine Kollegin hatte mich gefragt, ob ich sie nicht zur Hochzeit ihrer Freundin begleiten wollte. Typisch koreanisch und so. Ich war dabei! Die Trauung selbst fand in einer riesigen Kirche (30% der Südkoreaner sind bekennende Christen!) und - entgegen meiner Erwartung - ganz ich schwarz-weiß statt. Jedoch gab es schon einige Besonderheiten: es war ein ständiges Kommen und Gehen. Leute kamen rein, haben dem Pastor bei seinem scheinbar endlosen Monolog über die Liebe und die Ehe gelauscht, sind wieder entschwunden (zum Buffet wie sich im Nachhinein herausstellte). Dann ein ständiges Blitzgewitter von angeheuerten Fotografen, die wild zwischen dem Brautpaar umher sprangen - ohne Gnade! Nach dem Buffet, dass im Übrigen sehr schmackhaft war und europäisch anmutete, gab es dann doch noch Tradition. In einer eher kleinen Zeremonie, die ich durch eine offene Tür beobachten konnte, wurde die Braut schließlich in ganz traditionellem Gewand in die Familie des Mannes eingeführt. Ich kann mir nicht helfen, aber das hatte etwas von einer Übergabezeremonie. Dem Brautpaat gegenüber saßen die Eltern und Geschwister des Bräutigams, denen die Eingeheiratete nacheinander Tee servieren musste/durfte, wie auch immer. Das Ganze unter ständigem Verbeugen, welches eine nicht geringe Ähnlichkeit mit dem der Muslime auf dem Gebetsteppich hatte. Zum Schluss musste der Mann seine "Beute" noch einmal auf dem Rücken um den Tisch tragen, womit die Zeremonie dann auch offiziell beendet war. Die Angehörigen der Frau blieben komplett außen vor. Schöne Tradition...
Der Sonntag wurde dann ausschließlich dem Abbau des Schlafdefizites der vorhergehenden Woche gewidmet und nur durch die sehr sehens- und empfehlenswerte Nordkorea-Doku "A State of Mind" kurzzeitig unterbrochen.
Am Dienstag gab es dann eine Art BayerScheringPharma-Spendenball im Zuge des bevorstehenden Erntedankfestes (chusok). Ein wenig fraglich war für mich jedoch der Sinn der Aktion, gab es für die Spende in Form einer Eintrittskarte doch scheinbar nicht ganz billiges Essen und den ganzen Abend lang Freibier. Bei dem Konsum, den die Koreaner diebezüglich an den Tag legen, dürfte das ein Nullsummenspiel gewesen sein. :) (Was den Alkoholkonsum betrifft, müssen die Koreaner auf Platz 2 direkt nach den Russen kommen. Was die wegschütten geht auf keine Leber. Aber da gibt es ja jetzt ein neues Medikament von Bayer...)
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